Tarifvertrag einzelhandel nrw führungskraft

Eine Analyse anderer Aspekte der Beschäftigungsbedingungen liefert ebenfalls interessante Ergebnisse – siehe Tabelle 6 unten. Charakteristische Merkmale des Einzelhandels sind das hohe Niveau der Teilzeitarbeit und die überdurchschnittlich eiternale Arbeitshäufigkeit an Samstagen und Sonntagen. Teilzeitarbeit in der alten EU 15 betrifft vor allem Frauen (49 % gegenüber 17 % bei Männern), während die Inzidenz in den neuen Mitgliedstaaten viel geringer ist. Was die Arbeit am Wochenende betrifft, so ist die Häufigkeit in beiden Ländergruppen sowohl für Männer als auch für Frauen vergleichsweise hoch, obwohl sie in der EU 15 generell häufiger ist als in den neuen Mitgliedstaaten. Schließlich zeigen die Daten, daß andere Aspekte – wie Leiharbeit und “unsoziale” Arbeitszeit am Abend und in der Nacht – im Einzelhandel nicht wesentlich weiter verbreitet sind als in anderen Sektoren. Eine Ausnahme bildet, dass ein sehr hoher Anteil von 36 % der Frauen in den neuen Mitgliedstaaten Schichtarbeit betreibt. Die Arbeitsbeziehungen im Einzelhandel sind in einigen Ländern kontradiktorisch geworden, was teilweise auf Konflikte im Zusammenhang mit der Verhandlungsabdeckung im weiteren Sinne liegt. In Deutschland ist die Tarifbindung im Einzelhandel in den letzten zehn Jahren erheblich zurückgegangen. Dafür gibt es zwei Hauptgründe. Zum einen wurden viele Tarifverträge im westdeutschen Einzelhandel nach Paragraf 5 des Tarifvertragsgesetzes (DE9905200F) für die gesamte Branche verlängert, doch verschwand dies im Westen in den 1990er Jahren fast vollständig, während es in Ostdeutschland noch nie gelungen ist. Zweitens ist die Deckung zurückgegangen, da die beiden wichtigsten Arbeitgeberverbände den Mitgliedsunternehmen erlaubten, sich für eine so genannte OT-Mitgliedschaft zu entscheiden – d. h. für die Mitgliedschaft ohne die Verpflichtung, die von den Arbeitgeberverbänden kollektiv vereinbarten Bedingungen zu akzeptieren (DE0212202F).

Zu den großen Unternehmen, die diese Methode zum Ausstieg aus den Tarifverträgen genutzt haben, gehören Woolworth und Peek&Cloppenburg sowie eine große Anzahl von KMU. Die Gewerkschaft ver.di erwägt, vor Gericht zu ziehen, um zu prüfen, ob eine solche Mitgliedschaft in einem Arbeitgeberverband rechtmäßig ist. Darüber hinaus sind viele Einzelhändler nicht Mitglied eines Arbeitgeberverbandes, insbesondere in Ostdeutschland, und gelten als konsequent “gewerkschaftsfeindlich”. Auch wenn einige solcher unorganisierten Unternehmen löhne zahlen, die auf die Bestimmungen des jeweiligen Tarifvertrags ausgerichtet sind, kämpft ver.di immer noch für Betriebstarifverträge und argumentiert, dass nur mit einem solchen Vertrag die Bedingungen sicher und nicht vom guten Willen des Arbeitgebers abhängig sein können.

Tarifvertrag einzelhandel nrw führungskraft
Share